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Licht, Ton, Farbe

Von Ágnes Schnitzer und Niké Bitter

Licht

Der Ausstellung liegt eine gezielte Lichtregie zu Grunde. Das Licht dramatisiert die Räume und leitet die Aufmerksamkeit der Besucher durch die Austellung. Die Inhalts- und Lichtkonzeption gehen hier Hand in Hand. Die Ausstellungsmacher strebten danach, das natürliches Licht möglichst rauszuhalten; um die zu Faszination und Gewalt entsprechende Atmosphäre zu schaffen, haben sie das Tageslicht fast völlig ausgeblendet. Wo es Ausnahmen gibt, dient es einer Funktion.

Für die Ausstellungsmacher war das Licht ein Mittel, die Grausamkeit der Gräueltaten der Nazis zu zeigen. Sie wollten nicht durch brutale Bilder die Besucher emotional ansprechen, sondern eher mit Licht eine emotionale Wirkung bei ihnen erreichen.

Das Lichtkonzept der Nürnberger Ausstellung finden wir gut gelungen: Der Einsatz von Licht dient der Emotionalisierung, das Licht verstärkt, unterstützt die Wirkung der dargestellten Bilder oder kontrastiert mit dem jeweiligen Thema des Raumes. Mit dem Licht wird hier ganz bewusst operiert. Ein klarer Zusammenhang zwischen der Art und Weise der Beleuchtung und den vermittelten Inhalten ist immer zu finden. Wir schätzen hoch ein, dass die Installationen in der Ausstellung nicht einfach für sich stehen, wie es zum Teil im Holocaust Memorial Museum Budapest der Fall war (siehe: Glasscheibe-Beleuchtung im ersten Raum) sondern ganz im Gegenteil: nicht einmal ein Lichteffekt ohne eine thematische Funktion wird hier eingesetzt.

Ton

Im Einführungsraum sehen die Besucher eine Videoinstallation, die mit Musik begleitet wird. Schon beim Betreten des Dokumentationszentrums macht der laute Ton eine besondere Stimmung.

Wie wir es erfahren haben, wurde diese Musik von Avo Pärt (Produktion Sehnert Medien GmbH Nürnberg) extra für hier komponiert. Die Ausstellungsarchitektin Frau Müller-Rieger hat uns berichtet, dass die Ausstellungsmacher lange nachgedacht haben, ob im Dokumentationszentrum, in den einzelnen Räumen Ton und Musik zu hören sein soll, und wenn ja, welche. Ursprünglich hätte sie viel mehr Musik und Geräusche geplant, z.B. gab es Pferdegetrappel als Toneffekt in ihren ersten Vorstellungen. Aber die technischen und finanziellen Rahmenbedingungen ermöglichten die Verwirklichung nicht. Problematisch war auch, dass die verschiedenen Musik- und Toneffekte, die ganze Ausstellung durchtönen würden, was für die Besucher die Konzentration auf die einzelnen Räume erschwert hätte.

Eine technische Möglichkeit wäre, die Räume mit Schallschutzdecke oder Wandbelag auszustatten. Die aus der Autoindustrie bekannte Tondusche wäre auch eine technische Lösung für dieses Problem. Die Ausstellungsmacher haben mehrere Methode ausprobiert, aber wegen der Mannigfaltigkeit der Baustoffe innerhalb des Gebäudes funktionierte keine davon.

Die Videomusik, worüber am Anfang die Rede war, hören also die Besucher auch noch im ersten Raum (Aufstieg der NSDAP). Diese Musik wirkt aber nicht störend, weil sie eigentlich zur Stimmung und zum Inhalt passt.

Farbe

In der Ausstellung dominieren die dunklen Farben, vor allem das Graue. Dass die Ausstellungsmacher sogar mit den Farben konzepzionell umgegangen sind, zeigt, dass alle Glastafel der Ausstellung mit den NS-Farben (rot, grau, weiß) ausgestattet sind.