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Funktionen von Architektur und Standortswahl in der musealen Erinnerungskultur

Von Jakob Ackermann und Sarolt Kabay

Funktionen von Architektur und Ortswahl in der musealen Erinnerungskultur
Nürnberg und das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

Die Rolle, die Nürnberg in der Propaganda der Nationalsozialisten gespielt hat und die damit verbundenen Überreste aus dieser Zeit – monumentale Bauruinen auf einer Fläche von 380 Hektar – forderten eine durchdachte Aufarbeitung und eine museale Erschließung des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes im Süden der Stadt. Der Umgang mit dem historischen Ort und die Authentizität der Gebäude war dabei besonders sensibel anzugehen, denn „es gibt keinen, wenn auch noch so kleinen funktionalen Teil in den Räumen (Anm.: der Gebäude dieses Geländes), der nicht diese beängstigende Ideologie (Anm. gemeint ist die der NSDAP) demonstriert“1

Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände wurde deshalb auf besondere Weise in die Bauruine der Kongresshalle, dem größten denkmalgeschützten Bau des Geländes, integriert.

Ohne große Eingriffe in die Bausubstanz vorzunehmen, konnte in einem der Kopfbauten eine moderne Installation verwirklicht werden, die in seinem ersten Stock die Dauerausstellung Faszination und Gewalt enthält und so die massive Bauweise der Nationalsozialisten bricht. Dabei wurde besonders darauf geachtet, eine Distanz zu dieser Architektur aufzubauen. Die Kongresshalle wurde selbst als Exponat ausgestellt, das Reichsparteitagsgelände in der Ausstellung thematisiert.

Unsere Analysestruktur vertieft diese kurz umrissenen Merkmale und versucht sie zu deuten:
1. Wie ist das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände formal aufgebaut? Informationen zu den architektonischen Grunddaten: Grundriss, Symmetrie, Dimension, Baumaterial u. ä.
2. Welche Aussage transportieren die architektonischen Merkmale und welche Wirkung haben sie?
3. Wie und inwiefern ist es in die Umgebung integriert? Welche Bedeutung hat seine Lage?
4. Wie wird die Architektur, wie Ort und Lage in der Dauerausstellung Faszination und Gewalt selbst thematisiert?
1 -- So Günther Domenig, der Architekt des Dokumentationszentrum, nach: Faszination und Gewalt. Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg; Nürnberg 2006, S. 17.