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Architektur und Lage als Ausstellungsthema

Von Jakob Ackermann und Sarolt Kabay

Wie und inwiefern ist es in die Umgebung integriert? Welche Bedeutung hat seine Lage?

Die ehemalige Kongresshalle, in deren Nordflügel sich das Dokumentationszentrum befindet, liegt in mitten des ehemaligen Reichparteitagsgeländes, das sowohl vor der Nutzung durch die Nationalsozialisten als auch nach 1945 hauptsächlich als Volkspark und Naherholungsgebiet genutzt wurde. Zwischen dem historischem Schwergewicht der Kongresshalle samt den anderen nationalsozialistischen Monumentalbauten und dem Erholungs- und Freizeitcharakter des Geländes bildet sich ein Spannungsfeld heraus, das es galt zu thematisieren.


Die massiven, mit Stein verkleideten Gebäude dominieren dabei die unmittelbare Umgebung, besonders die Bauruine der Kongresshalle setzt sich trotz ihres reduzierten Torsos deutlich ab. Sie zieht die Aufmerksamkeit der Besucher des Parks auf sich und liegt zudem zentral an einer der meistbefahrenen Straßen Nürnbergs, dem Südring. Zudem wird die benachbarte „große Straße“, die ebenfalls als Teil des NS-Konzepts errichtet wurde, heute auf der Westseite der Kongresshalle für das Nürnberger Volksfest und andere Großveranstaltungen genutzt.

Die Einbettung der Kongresshalle in dieses Spannungsfeld wurde in jüngster Zeit stärker historisch gewendet, da besonders die Fußball-WM 2006 das Gebiet rund um die Kongresshalle ins Zentrum des weltweiten Interesses rückte. Langfristige Auswirkungen sind aber nur an wenigen Stellen zu fassen, zumindest wurde aber ein Informationstafelsystem auf dem Gelände installiert, welches das Dokumentationszentrum vor Ort ergänzt.

Insgesamt wurde lange Zeit versucht, dem Gelände die ungeheuer beeindruckende Dimension und Faszination zu nehmen bzw. sogar zu verdecken. Man überbaute große Teile des ursprünglich 11 qm großen Geländes und ließ Teile überpflanzen. Die Belassung der Kongresshalle in einem unfertigen Rohzustand ist in diesem Kontext zu verstehen, weit aus drastischer wollte man ursprünglich sogar das Gebäude in ein Stadion oder ein Einkaufszentrum, ja ganz abreißen.

Mit Beginn der Aufarbeitungsarbeit der Stadt Nürnberg wurde es dann in einen neuen Bezug gesetzt und stand exemplarisch für das Bekenntnis Nürnbergs zu seiner Vergangenheit, in deren Zug auch das Dokumentationszentrum errichtet wurde. Dieses leistet auch seinen Teil, um die monumentale Gewaltarchitektur der Nationalsozialisten zu reflektieren und zu durchbrechen und will sich deshalb bewusst von dieser abgehen. Deutlich tritt dieses Vorhaben zu Tage, betont auch durch die Entscheidung, das Dokumentationszentrum auf der straßenzugewandten Seite zu installieren.

Vom Dach dieser Einrichtung wird die Lage und Einbindung in das Reichsparteitagsgelände besonders deutlich. Auch die von den Nationalsozialisten intendierte Achsenausrichtung zur Innenstadt ist von dort noch zu erkennen. (vgl. Film)