Berlin | Budapest | Nürnberg | Vergleich || PROJEKT
header

Fazit zu Budapest

Von Simone Kleemann, Monika Schierl und Viktória Nagy

Das Holocaust Memorial Center in Budapest wurde im Jahre 2004 eröffnet. Hierbei dient das oberirdisch gelegene Mahnmal als Gedenkstätte für die ungarischen Juden und Roma, die dem Holocaust zum Opfer fielen.
Im Untergeschoss der Gedenkstätte ermöglicht die Ausstellung From Deprivation of Rights to Genocide eine vertiefte Auseinandersetzung mit den historischen Fakten zum Holocaust in Ungarn.

Die zeitgleiche Konfrontation sowohl mit der Täter- als auch mit der Opferseite ist zu begrüßen. In beiden Fällen wird versucht, auch individuelle Schicksale zu thematisieren. Diese gehen hierbei jedoch stellenweise erneut in der Anonymität unter, da die große Zahl an oftmals gleichformatigen Bildern das Interesse am Leben einzelner Personen vielfach schwinden lässt. Zudem kann die Darstellung von Individuen auf der Täterseite nicht abschließend überzeugen.
Darüber hinaus stellt sich die Frage, welcher Stellenwert den ungarischen Verantwortlichen am Holocaust eingeräumt werden darf. Eine Auseinandersetzung mit der ungarischen Täterseite kann als wegweisend angesehen werden, jedoch sollte die deutsche Vorreiterrolle der NSDAP hierbei auf keinen Fall unterschätzt werden.

Die über Texttafeln vermittelten historischen Fakten werden mithilfe von jüdischen Einzelschicksalen auf Computer-Terminals verdeutlicht und vertieft. Nutzen die Besucher die Terminals nicht, so fehlt ihnen eine wichtige Vernetzung von verschiedenen Informationsebenen. Dennoch fällt die Verknüpfung der weißen Linien an den Wänden mit den Lebenslinien einzelner Juden und Roma leicht.

Durch den thematischen Aufbau der Ausstellung verliert der Besucher leicht die chronologischen Zusammenhänge der Ereignisse aus den Augen. Dieses Defizit wird jedoch durch eine chronologische Abfolge der einzelnen thematischen Räume abgemildert.

Die Informationsvermittlung erfolgt in erster Linie über Texte, weniger über Bilder oder Exponate. Großes Interesse und Ausdauer bei der Rezeption der Informationstafeln wird beim Besucher offensichtlich von Vornherein vorausgesetzt. Hierbei kann allerdings die leichte Verständlichkeit der Texte auch für Bevölkerungsschichten mit weniger Vorwissen positive Erwähnung finden.

Die Darstellung der Ereignisse des Holocausts erfolgt auf eine mitunter schonungslose Art und Weise. So wird die offene Konfrontation mit schockierendem Bildmaterial nicht gescheut. Der Besucher erkennt auf den ersten Blick, welche Aspekte thematisiert werden. Jedoch kann er hierdurch auch den Spürsinn für subtilere Darstellungsweisen verlieren und verlernen, sich durch gezielt eingesetzte Impulse zum Nachdenken anregen zu lassen. Gefährliche Gleichgültigkeit gegenüber den Gräueln des Holocausts könnte die Folge sein.

Leider weisen die Bildunterschriften und die Provenienzangaben teils große Lücken auf. Dasselbe gilt für die in der Ausstellung gezeigten Exponate. Da viele Bilder die gleiche Höhe aufweisen, liegt eine Vergrößerung der Abbildungen während des Reproduktionsvorgangs nahe. Über die wahren Größenverhältnisse schweigen sich die vorhandenen Bildunterschriften aus.

Der bewusst eingegrenzte inhaltliche Rahmen der Ausstellung mit Schwerpunkt auf den Lebensweg der ungarischen Juden und Roma würde eine intensivere Auseinandersetzung mit weiteren Gedenkstätten oder Forschungseinrichtungen nahe legen, die auf Schicksale ermordeter Ungarn Bezug nehmen.