Berlin | Budapest | Nürnberg | Vergleich || PROJEKT
header

Exponate

Von Simone Kleemann, Monika Schierl und Viktória Nagy

Welche Exponatgruppe überwiegt in der Ausstellung?
Werden die Objekte ausreichend ausgewiesen?


Antijüdische Hetzplakate


Glassäulen mit Objekten


Glassäulen leer


Ausgestellter "Judenstern"


Ausstellungsobjekt
Zyklon-B-Behälter

Die Ausstellung im Holocaust Memorial Center legt einen klaren Schwerpunkt auf die Verwendung von bildlichen Quellen, die in Form von Reproduktionen neben den Informationstexten dominantes Element jedes Themenraumes sind.


Demgegenüber treten Schrift- und Sachquellen in der Ausstellung deutlich zurück und nehmen nur einen geringen Prozentsatz in der gesamten Ausstellungs­gestaltung ein.

So werden schriftliche Quellen beispielsweise nur im zweiten Raum Entrechtung (Deprived of Rights) in Form von Reproduktionen antisemitischer Hetz- und Parteiplakate (siehe Bild 1) ausgestellt. Schwierig für den ausländischen Besucher ist, dass keine zusätzliche Übersetzung der Plakattexte in die englische Sprache erfolgt, weshalb sich der Inhalt ohne Ungarischkenntnisse nur schwer erschließen lässt. Zudem fehlen wichtige Provenienz­angaben.

Bewusst weggelassen wurde die Herkunftsbezeichnung dagegen bei den ausgestellten Sachquellen, die sich in den Glassäulen (siehe Bild 2) im ersten Raum Einführung (Introduction) befinden. Diese sollten anonymisiert bleiben, um den Betrachter zum Nachdenken anzuregen. Ausgestellt wurden sowohl alltägliche als auch religiöse Objekte jüdischer Personen. Da die Exponate jedoch nicht ausgewiesen sind, fällt eine genaue Einordnung schwer. Insofern muss in Frage gestellt werden, ob alle Besucher verstehen, dass es sich bei den Gegenständen um charakteristische Gegenstände aus jüdischem Besitz handelt.

Erwähnt werden muss, dass das gestalterische Motiv im letzten Raum Befreiung und Verurteilung der Verantwortlichen (Liberation and Calling to Account) wieder aufgenommen wird: Die Säulen (siehe Bild 3) sind nunmehr aber leer und weisen damit auf die Ermordung der Exponatbesitzer hin.

Weitere wenige Sachquellen finden sich als Bedeutungsträger (Semiophoren) an entscheidenden Stellen in der Ausstellung: So tragen die Informationssäulen (siehe Bilder 4 und 5) in den Räumen vier und sechs mit einem Judenstern und einer Zyklon B-Dose eindrückliche Objekte als Erkennungsmerkmal, die den jeweiligen Themenraum treffend charakterisieren. Zusätzlich befindet sich in Raum sechs Ermordung (Deprived of Life) eine Vitrine mit Gegenständen wie Häftlings­kleidung oder Schuhen, die eindrücklich das Leben und Leiden der Menschen in den Konzentrationslagern charakterisieren. Leider sind aber auch diese Gegenstände nur oberflächlich ausgewiesen.

Die Ausstellungsgestalter platzierten die wenigen Sachquellen, die verwendet wurden, an hervorgehobenen Stellen innerhalb der inhaltlichen Konzeption der Ausstellung. Dennoch verspielen sie deren Potenzial durch die mangelhafte Ausweisung der dargestellten Objekte. Gerade weil es sich um Semiophoren handelt, wären Provenienzangaben für die Besucher unbestreitbar notwendig. Der konkrete Bezug zu Ungarn sollte hergestellt werden.