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Budapest - Die Hauptstadt Ungarns

In der ungarischen Hauptstadt, in Budapest, konzentriert sich das Leben – und die damit verbundenen Institutionen – sowohl in politischer, als auch demographischer, kultureller, usw. Hinsicht. Im Vergleich zu den (Bundes-)Hauptstädten, wie z.B. Berlin, fällt das sehr auf. Diese geschichtlich gewachsene Dominanz der Hauptstadt zeigt sich nicht nur in der Anzahl und Bedeutung der die Erinnerungskultur charakterisierenden Orte und Veranstaltungen, u. a. der Museen. Die Konzentration auf Budapest zeigt sich auch in der Zeit des Nationalsozialismus, in der Betroffenheit des Budapester Judentums: Das Ghetto blieb zwar als letztes in ganzem Ungarn unangetastet. Die Transporte setzten erst spät ein, aber dann mit um so schrecklicherer Effizient.

In der ungarischen Erinnerungskultur vor 1989 spielten die Opfer des Holocausts eine untergeordnete Rolle. Das Gedenken an sie wurde in den Rahmen des Faschismus behandelt, wobei eventuelle Unterschiede und Überlappungen von rassistischen, politischen bzw. anderen Verfolgungsgründen samt Größe der betroffenen Gruppen unausgearbeitet in den Hintergrund gedrückt blieben. Geprägt wurde die ganze Erinnerungskultur von der Perspektive und Emotionalität der Opfer, mit der Vorgabe, dass unter den Verfolgten die damaligen Machtinhaber und/oder deren politische Vorfahren zu verstehen sind, die sich ganz selbstverständlich als größte Gegner des Faschismus darstellten. So konnte der Blickwinkel des Opfertums, auf die Täter zugespitzt, die allgemeine und vom Herrschaftssystem geförderte Atmosphäre der Vertrauenslosigkeit, des feindseligen Umgangs mit möglichst vielen Mitmenschen unterstützen.

Es kristallisiert sich - nach den anfänglichen stummen Jahren der 90er – nun ein Muster heraus, das die Opfer des Holocausts mit den Opfern des Kommunismus koppelt, und derer zusammen als Opfer der Gewaltherrschaften gedenkt. Formen und Orte der Erinnerung des Letzteren erst entstehen erst seit ein Paar Jahren die Verluste der jüngeren Geschichte sind zwar frischer und fester in der Mentalität verankert. Aber auch Form und Platz für das Gedenken an die Holocaust-Opfer entstehen bzw. vervollständigen sich in der Gegenwart. So bedeutet das Gedenken an die Opfer des einen Gewaltensystems sowohl in der fachwissenschaftlichen Diskussion, als auch bei der Behandlung in der Öffentlichkeit, schon parteipolitische Meinungsergreifung. Da sich keine Behandlung der Schreckentaten der beiden Gewaltherrschaftssysteme des Einflusses der (aktuellen) Politik vollkommen entziehen kann, ist es fast unmöglich beider Opfergruppen gleichzeitig gerecht zu werden.
Auch die Eigenheit der Perspektive und der Emotionalität findet ihre Fortsetzung nach der Wende. Es erfolgt eine Anknüpfung an ein altes Eigenbild, an das des leidenden Ungarn. Kein Wunder, dass es kein richtiges ungarisches Wort für ’Vergangenheitsbewältigung’ gibt.

Was die offizielle Erinnerungskultur anbelangt, wurden zuerst nationale Gedenktagen gestiftet: seit 2000 gedenkt man am 16 April der Opfer des Holocausts (1944, an diesem Tag wurde die erste Ghetto in Ká rpátalja errichtet) und seit 2001 am 25. Februar der des Kommunismus. Diese zwei Gedenktage waren auch die Eröffnungstage von zwei Museen in Budapest, die auch in unserer Untersuchung miteinbegriffen wurden. Am Vorabend des Gedenktages, am 24. Februar 2002 öffnete seine Türen das Haus des Terrors (Terror Háza, Andrássy út 60.), dessen Dauerausstellung sich dem Ort verpflichtend_ das Haus war nämlich Sitz und Zentrum der Geheimpolizeie- beider Gewaltherrschaften widmet, mit dem Schwerpunkt Kommunismus widmet. Die beiden Terrorsysteme werden als eine von Außen kommende Gewalt dargestellt, wobei der Schwerpunkt auf Kommunismus gesetzt wird.
Drei Jahre später wurde das Holocaust Memorial Center (Holokauszt Emlékközpont) in der Páva Straße an dem anderen Gedenktag eröffnet. Obwohl es bei weitem nicht dieselbe Öffentlichkeit und Bekanntschaft wie das Haus des Terrors besitzt, stand dieses Gedenkzentrum in dem Mittelpunkt unserer Analyse, da er thematisch für den Vergleich mit den deutschen Beispielen am meisten geeignet war.
Aber im Thema Holocaust gibt es noch eine dritte, bedeutende Ausstellung in Budapest. Sie ist die älteste von den drei, und liegt: neben der von den meisten Touristen besichtigten Synagoge in der Dohány Straße (Magyar Zsidó Múzeum és Levéltár). Die Dauerausstellung auf dem ersten Stockwerk wurde im Jahre 1984 errichtet, und stellt in drei Räumen der Vielfalt und Reichtum des ungarischen Judentums anhand von Gegenständen seines Alltags und seiner Feiertage, bzw. in einem vierten Raum den Holocaust in Ungarn dar. Im Garten befindet sich ein Weidenbaum, auf dessen Metallblätter die Namen der Märtyrer eingraviert sind. Die ganze Installation ist als ein Vorbild in Kleinem für den Innenhof des Holocaust Memorial Center anzusehen, das dem von dem Informationsort getrenntem Gedenken dient.
Diese drei, von unserem Projekt untersuchten Museen stehen nicht nur wegen des z. T. übereinstimmenden Themen in einer wechselseitigen, sogar konkurrierenden Beziehung zueinander.