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Illustrieren

Von Katalin Riez und Simone Ming

Illustriert das Bild einen Text? Illustriert ein Text das Bild? Illustriert das Bild ein anderes Exponat (Sachquelle), oder wird das Bild durch ein Exponat illustriert? Wie wirkt das Bild im Kontext mit anderen Gestaltungselementen (Ton, Licht)?


Die Plakate an der Wand.
Das größte Ziel der Bilder steht beim Informieren. An den meisten Stellen erfüllen sie diese Funktion: die Exponattexte erzählen in großen Zügen die Ereignisse, und die Bilder stehen neben den Texten als Unterstützung. Die verschiedenen Regierungen stehen mit allen Ministern da, die Einzelpersonen, die Geschehnisse, die schrecklichen Ermordungen, die im Text geschilderten Verordnungen. Auch als Beweis können sie aufgefasst werden: besonders Bekanntgebungen, Plakate, die mit Draht im Boden und in der Decke verankert waren.

Täter- und Opferbilder erscheinen in dieser Ausstellung sehr gemischt. Was schon beim ersten Blick auffällt, dass die Täter ein Gesicht bekommen. Die Haupttäter werden mit Namen benannt, und ganz viele von ihnen. Die „Massensoldaten” bleiben in Anonymität, eher die Einzeltäter kommen zu Wort. Vielleicht am meisten wird General Horthy erwähnt, hier wird es versucht, ihn als Hauptverursacher des ganzen ungarischen Holocaust zu betiteln. Neben Horthy werden alle Regierungen in der Zeitspanne geschildert, von allen Kabinetts gibt es ein Gruppenphoto. Pál Teleki, Döme Sztójay, Kálmán Darányi – alle beeinflussenden Personen werden an mehreren Photos dargestellt. Außerdem bekommen kleinere Persönlichkeiten ein Gesicht, die nicht einmal für die Ungarn als unbekannt erscheinen: Andor Jaross, László Endre, László Baky, László Ferenczy. Den überwiegenden Teil nehmen diese Bilder ein, die Opfer kommen am meisten entwürdigt vor: diese Anordnung der Bilder lässt starke Manipulation zu. Die Besucher werden von den schockierenden Bildern emotional stark belastet, woran sie sich nicht gewöhnt haben. Sie konfrontieren sich mit der brutalsten Seite des Holocaust und zwar von der ungarischen Seite. Obwohl die deutschen Täter auch vorgestellt werden, scheinen die Ungarn die Hauptverursacher zu sein. Die nicht bestreitbare Verantwortung der Pfeilkreuzerpartei wird auch auf andere Persönlichkeiten geschoben, die gar nichts mit den Pfeilkreuzlern zu tun haben. Besonders im ersten Raum, wo die Plakate der ungarischen Nazipartei vorgestellt werden, scheint es so, als ob sie offizielle Plakate der immerwährenden Regierungen wären. Die Bilder sind auch bei der Mengele-Abteilung stark manipulieren...