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Emotionalisieren

Von Katalin Riez und Simone Ming

Wann hat ein Bild die Aufgabe zur emotionalen Weckung des Besuchers? Wie soll diese Wirkung erreicht werden? Welche Funktion erfüllt sie im Rahmen der Ausstellung? Wie wird die Perspektive des Besuchers auf die dargestellten historischen Ereignisse gelenkt?


Frau mit drei Kindern
Schon im ersten Raum konfrontiert man sich mit seinen Emotionen. Bei der Frage „Was ist Holocaust?” kommt das gut bekannte Bild der wandernden Frau mit den drei Kindern. Das Bild kommt in der Ausstellung mehrmals vor, an verschiedenen Stellen. Falls das Bild bekannt ist, oder nicht, das löst schon Emotionen aus. An der gebeugten Figur kann man ohne Angucken nicht vorbeigehen.
Die stärksten Emotionen werden aller Wahrscheinlichkeit nach bei der Mengele-Abteilung ausgelöst. Hier werden solche Photos ausgestellt, die aus den meisten Besuchern Entsetzen, Mitleid auslösen. Abgemagerte Kinder und Frauen, direkt verseuchte Wunde, nackte junge Frau mit Hautkrankheit – Bilder die man nicht vermeiden kann. Brutale naturalistische Bilder. Diese Serie wird in dem nächsten Raum weiter verstärkt: an der Wand hängen 2 Tafeln, je mit 16 Bildern, wo Täter und Opfer zur gleichen Zeit vorkommen.

Wandtafeln
Brutale Momente werden an der ersten Tafel vom Massenmord zu Újvidék (Novi Sad) vorgestellt. Daneben sind an der Wand schreckliche, sogar entsetzliche Photos dargestellt: getötete Kleinkinder, exhumierte Frauenleichen, allein eine Leiche auf der Wiese – die mit Sicherheit die Funktion und das Ziel haben, die Besucher zu schockieren. Im Auschwitz –Teil wird diese Wirkung noch weiter verstärkt: auf fünf Bildschirmen erscheinen bewegte Bilder, die Lebensbilder des KZ-Lagers darstellen. Zu Beginn sind dieselbe Bilder zu sehen, aber mit der Zeit gehen sie auseinander, und an allen Bildschirmen erscheinen verschiedene Bilder. Hier erscheint wieder die wandernde Frau, die sich langsam zu eine Ikone verwandelt. Mit gelber Farbe werden die wichtigen Aussagen gekennzeichnet und so die Augen und damit die Emotionen auf das Gewollte gelenkt (Cyklon B auf Wagen, SS-Soldaten mit Stangen usw.)